dalai lama und demokratie




dalai lama und demokratie

Beitragvon BrunX AnGyo » Donnerstag 30. Juli 2009, 20:09

ich poste das jetzt einfach mal zu politik...

gerade den artikel im aktuellen stern gelesen ( http://www.stern.de/magazin/heft/:Magaz ... 07441.html )

es gibt wohl einige gründe, an der unfehlbarkeit seiner heiligkeit zu zweifeln

http://www.trimondi.de/

wer ein wenig recherchiert findet da noch einiges..

mir war immer bewusst, das der dalai lama aus einem autokratischen feudalsystem stammt und auch das die geschichte des tibeteischen buddhismus nicht immer eine friedfertige war, trotztdem war der dalai lama für mich immer ein taffer typ.

langsam fang ich aber an, ihn nicht mehr so cool zu finden.. ich lasse die idee los, die ich von ihm hatte.. vor kurzen bin ich noch für ihn in de breche gesprungen, als in einem forum kritik an ihn geäußert wurde.. ich denke das war mehr als unnötig und zeigt nur mein anhaften an solcherlei personenkult....

ich denke für eine intensive, spirituelle praxis sollte mensch sich befreien von solchen abhängikeiten zu "religösen führern", vor allen, wenn mensch diese nur aus der ferne zu kennen meint....

was haltet ihr davon?

da passt natürlich auch ganz gut zu dem thema, was flo gerade eröffnet hat!
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Re: dalai lama und demokratie

Beitragvon sonja » Freitag 31. Juli 2009, 23:09

moment!
wenn du vorher ungeprüft glaubtest, der dalai lama wär in ordnung, aufgrund bestimmter quellen, glaubst du nun aufgrund anderer quellen, die du auch nicht geprüft hast / prüfen kannst, dass er nicht völlig in ordnung ist?
ich kenn diesen zwiespalt nur zu gut aus der geschichte mit meinen lehrern. die kennst du ja auch im detail. für die anderen: ich praktiziere ja tibetischen buddhismus und beobachte es hier immer wieder, dass lehrer angefeindet werden. vorwürfe zb wegen sexuellen missbrauchs sind schnell in die welt gesetzt wenn man tantrische praktiken aus dem zusammenhang reißt. wobei ich damit nicht sagen will, dass alle lehrer frei von makel sind. was weiß ich denn auch!
ich kenn den artikel im stern nicht und trimondi lediglich als quelle dieser anfeindungen aus der zeit, in der ich mich mit den vorwürfen im detail auseinander gesetzt habe.

was man aus dieser sache lernen kann, ist nicht zu bewerten. nicht den stern, nicht die verehrung für lamas, nicht die eigenen reaktionen und auch den dalai lama nicht.
nichts leichter als das, wa? ;-)
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Re: dalai lama und demokratie

Beitragvon BrunX AnGyo » Sonntag 2. August 2009, 12:12

..du hast natürlich recht, sonja..
für mich bedeutet das auf spiritueller ebene auch tatsächlich nur, das isch hinschaue, wie ich an diesen ideen von persönlichkeiten anhafte.. negativ, oder positiv... für meine praxis ist der dalai lama nicht von bedeutung. nur überlege ich mir, ob das wirklich mit meinem weg zu tun hat, wenn ich mit nem t-shirt rumlaufe, wo sein konterfei drauf zu sehen ist.
es gibt (für mich) nicht nur positive werte, die die symbolfigur dalai lama vermittelt...
ich bin auf das gesagte der internationeln presse ein stückweit angewiesen und wenn aus verschiedenen richtungen bestimmte sachen bestätigt werden, dann bin ich in versuchung dieses als ein stück relative wahrheit zu aktzepieren. neben dier identifikation mit dem begriff buddhist, gibt es nunmal auch radiklademokratische sozialisationen, die ich nicht verleugnen kann ;-) und wenn z.b. das regime seiner heiligkeit zu undemokratischen methoden neigt und (für mich) unnachvollziehbare verbote der freien (zudem trad. tibet.) religionsausübung ausspricht, ist das nicht das ethische verhalten, was mir zur (vorrübergehnden) identifikation und zum vorbild dienen kann...
somit hab ich jetzt für mich entschlussen, das der dalai lama nicht so eine identifikationsfigur für mich ist, wie ich einmal dachte...
(das selbe hatte ich schon mal mit che guevara und andreas baader;-)
ne rein persönliche sache, die die figur des dalai lama auf der ebene der weisheitsrealität überhaupt nicht tangiert...
..ein tolles feld zum üben! danke dalai lama!
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Re: dalai lama und demokratie

Beitragvon BrunX AnGyo » Sonntag 2. August 2009, 12:58

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Re: dalai lama und demokratie

Beitragvon tiger » Montag 12. Oktober 2009, 18:16

zu diesem thema kann ich nur "dalai lama - fall eines gottkönigs" von dr. colin goldner empfehlen. es gibt auch auf hoerspiel-scene einen etwa zweistündigen vortrag von ihm zum download (einfach dort die suchfunktion nutzen). goldner stellt mit seiner arbeit das allgemein übliche bild des dalai lama komplett auf den kopf oder eher vom kopf auf die füße. vom unmenschlichen theokratischen system in tibet bis 1950, das 90% der bevölkerung in absoluter armut und unfreiheit hielt, über verstrickungen mit nazis und anderen rechtsaußen bis hin zu seinen (bewussten oder unbewussten) massiven falschaussagen zu den unruhen 2008 zerlegt goldner den mythos dalai lama völlig. nebenbei zieht er auch über den tibetischen buddhismus (nicht über den buddhismus im allgemeinen!) her - meiner meinung nach zurecht, weil der tibetische buddhismus mit buddhas lehre in etwa so viel zu tun hat wie opus dei mit jesus christus.

wie bereits oben erwähnt: einfach alles ungeprüft glauben ist nicht klug. in einer welt wie dieser, in der es für viele nur um macht und geld geht, geht es auch bei dem, was uns an "informationen" vorgesetzt wird oft um nichts anderes. im fall dalai lama und tibet heißt das, dass abgesehen von den chinesen selbst, fast niemand auf der politischen weltbühne kein interesse daran hat, china durch die tibetfrage in ein schlechtes licht zu rücken. was natürlich keineswegs heißt, dass das chinesische system auch nur halbwegs cool ist. ganz im gegenteil. nur gibt es in vielen konflikten einfach keine gute seite!

tibetischer buddhismus ist eine religion und deshalb falsch. buddhas lehre jedoch war und ist eine philosophie und deshalb auf jeden fall schon mal um längen besser als jede religion!
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Re: dalai lama und demokratie

Beitragvon sonja » Dienstag 27. Oktober 2009, 09:06

tiger hat geschrieben:..., weil der tibetische buddhismus mit buddhas lehre in etwa so viel zu tun hat wie opus dei mit jesus christus.
[...]
tibetischer buddhismus ist eine religion und deshalb falsch. buddhas lehre jedoch war und ist eine philosophie und deshalb auf jeden fall schon mal um längen besser als jede religion!



wie kommst du denn zu solchen aussagen?
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Re: dalai lama und demokratie

Beitragvon tiger » Donnerstag 5. November 2009, 19:41

naja, wenn du christi lehre in der bibel nimmst und mit der bekloppten engstirnigkeit von opus dei und co vergleichst, dann liegen da welten dazwischen... und buddhas lehre sind im wesentlich die vier edlen wahrheiten und der achtfache pfad. tibetischer buddhismus hat eine sehr, sehr komplexe kosmologie und mythologie, die mit buddhas lehre maximal bedingt etwas zu tun hat. all die höllen und dämonen gibt's bei buddha nicht. es liegt der verdacht nahe, dass da jemand das einfache volk erschrecken und mit der drohung von ganz ganz schlimmern sachen nach dem tod (wie die christen mit hölle und fegefeuer...) an die kandarre zu legen...
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Re: dalai lama und demokratie

Beitragvon sonja » Freitag 6. November 2009, 13:39

tiger hat geschrieben:naja, wenn du christi lehre in der bibel nimmst und mit der bekloppten engstirnigkeit von opus dei und co vergleichst, dann liegen da welten dazwischen... und buddhas lehre sind im wesentlich die vier edlen wahrheiten und der achtfache pfad. tibetischer buddhismus hat eine sehr, sehr komplexe kosmologie und mythologie, die mit buddhas lehre maximal bedingt etwas zu tun hat. all die höllen und dämonen gibt's bei buddha nicht. es liegt der verdacht nahe, dass da jemand das einfache volk erschrecken und mit der drohung von ganz ganz schlimmern sachen nach dem tod (wie die christen mit hölle und fegefeuer...) an die kandarre zu legen...


auch im zen und in anderen religionen gibts beiwerk, kulturell geprägt, religiös inspiriert, auch um den verschiedenen menschen hilfestellungen zu geben, diese wiederum zu inspirieren und wahrheiten in geschichten transportieren zu können. letzteres hat auch buddha gemacht.
die mythologie des tibetischen buddhismus schließt die vier edlen wahrheiten und den achtfachen pfad nicht aus.
und wenn du nun vorsichtiger formulierst, dass "ein verdacht nahe liegt" so klingt das zwar nicht so dogmatisch wie im post vorher, erklärt mir aber immer noch nicht die grundlage für eine solche behauptung.
zudem scheint mir deine aussage über die "drohung von ganz ganz schlimmen sachen" im tibetischen buddhismus ein wenig schleierhaft, denn mir sind noch keine drohungen begegnet.
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Re: dalai lama und demokratie

Beitragvon tiger » Freitag 6. November 2009, 20:51

im tibetischen buddhismus wird davon ausgegangen, dass sich die zeitspanne zwischen tod und wiedergeburt ebenso wie der ort, wo diese zeit verbracht wird, lax gesprochen vom "karmakonto" abhängt. das ist im grunde nicht viel was anderes als die drohung mit fegefeuer und hölle in mittelalterlichen katholizismus.

dir "droht" heute damit wahrscheinlich niemand damit. du wärest dafür ja auch nicht anfällig. immerhin kannst du lesen und schreiben und hast eine schulbildung genossen. etwas 90-95% der tibeter_innen (bei den frauen liegt die quote noch höher!) hatten diese "privilegien" nicht. sie wurden von den herschenden eliten (klöster und landadel) dumm gehalten, damit sie sich nicht gegen die himmelschreiende strukturelle ungerechtigkeit des tibetischen systems vor 1950 auflehnen. wenn mindestens 90% der bevölkerung in bitterer armut leben und keine bildung haben, während es der verbleibenden minderheit gut geht (sie teilweise sogar scheissreich sind [check mal aus, wieviel gold und silber 1950 und in der folge aus tibet nach indien mitgenommen wurde von fliehenden mönchen und adligen]) und sie das monopol auf bildung haben, dann ist es kein wunder, dass die mehrheit der einfachen bevölkerung die chinesischen invasor_innen als befreier_innen ansahen und sich ihnen zu zehntausenden begeistert angeschlossen haben. der dalai lama hat übrigens keinerlei legitimation für alle tibeter_innen zu sprechen. er wurde niemals gewählt. er ist einfach nur der anführer der gelbmützensekte, die über jahrhunderte hinweg das gesamte land tyrannisch beherscht und ausgebeutet hat. mag sein, dass der gegenwärtige dalai lama ein wirklich netter mensch ist, aber er repräsentiert trotz allem ein mittelalterlich-feudales unrechtssystem, dass tausend mal schlimmer ist bzw. war als alles, was die chines_innen in tibet getan haben oder auch noch tun werden (z.b. so schlimme sachen wie schulen bauen, die tibetische sprache standardisieren und zu einer der fünf offiziellen sprachen chinas machen, krankenhäuser bauen, die lebenserwartung verdoppeln und die säuglinggssterblichkeit auf ein minimum reduzieren, menschen aus der feudalknechtschaft befreien, die unmenschliche ordinierung von kleinen kindern verbieten, frauen rechtlich gleichstellen, homosexualität "legalisiert", religionsfreiheit ermöglicht etc. pp.). abgesehen von den sicherlich beklagenswerten todesopfern des krieges und von aufständen (d.h. meistens pogromartige ausschreitungen von rassistisch und nationalistisch-chauvinistisch motivierten ethnischen tibeter_innen) hat die besatzung durch die vr china wirklich absolut nur vorteile für die absolute mehrheit der bevölkerung gebracht. grund zur beschwerde haben einzig jene adligen und mönche, die zuvor vom unrechtsregime profitiert hatten.

free tibet?? - ich scheiss auf nationalismus!
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Re: dalai lama und demokratie

Beitragvon SxEric » Freitag 6. November 2009, 21:19

ich scheiß aber genauso auf imperialistischen pseudokommunismus, der mit dem deckmäntelchen der "befreiung" menschen umbringt, foltert, usw usv..
Im Anfänger - Geist gibt es viele Möglichkeiten, im Geist des Experten nur wenige.
- Shunryu Suzuki
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