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Das Problem mit der Gemeinschaft

Dienstag 22. Dezember 2009, 10:07

Liebe Punx,

erstmal ein "Servus" von mir. Ich heiße Norbert und hatte vor knapp 25 Jahren schon mal Kontakt zu Zen. Danach verlor ich mich in den Tiefen des Okkultismus und der Esoterik, und habe erst wieder vor kurzem zum Buddha-dharma zurück gefunden. Macht Spaß und hilft -- übrigens das einzige, das bei mir jemals wirklich geholfen hat.

Nun habe ich ein Problem: In der buiddhistischen "Zuflucht" gelobt man doch, dem Buddha, seiner Lehre und der buddhistischen Gemeinschaft zuzusprechen und zu vertrauen. Die ersten beiden Dinge sind kein Problem für mich. Ich lese jeden Tag in Buddhas Lehren, versuche sie, im Alltag umzusetzen (so gut's halt geht) und meditiere.

Aber bei der Gemeinschaft hapert's -- was daran liegt, dass ich derzeit wieder in einem kleinen Kaff in Niederbayern wohne. Es gibt zwar eine tibetisch-buddhistische Schule vor Ort, aber nach einem Besuch ihrer Meditation weiß ich, dass das absolut nicht mein Ding ist. Ich will den alten, echten Buddhismus, ohne Götter- und Dämonenverehrung, ohne Lama-Anbetung und ähnliches.

Ich habe schon versucht, durch eine Online-Anzeige auf eBay Leute zu finden, mit denen ich eine Gruppe aufmachen kann, aber leider vergeblich. Also scheint momentan die virtuelle Gemeinschaft die beste Lösung zu sein.

Was meint Ihr?

Liebe Grüße,
Norbert

Dienstag 22. Dezember 2009, 10:07

Re: Das Problem mit der Gemeinschaft

Samstag 26. Dezember 2009, 13:13

Hallo Norbert.. eusa_dance welcome on board

ein änliches problem beschäftigt mich zurzeit auch..
ich glaube schon das die gemeinschaft wichtig ist.. vorallem für die selbstdisziplin beim zazen. vorallem ein authendischer meister kann sehr wichtig sein. andererseits muss man auch hier wieder darauf achten nicht irgendwelche anhaftungen und abhängigkeitsstrukturen an eine gruppe oder einen meister zu verfallen. am ende ist eine gruppe ja nur eine stütze, den weg musst du ganz allein gehen.
ich selbst habe vor kurzem erst wieder die erfahrung gemacht, wie schnell man da in etwas hineinrutschen und sich verlieren kann. ich hatte mich in einem bekannten rinzai tempel für einen kurzen klosteraufenthalt angemeldet. aber schnell gemerkt das ich mich überfordert fühle und das gefühl hatte den boden unter den füßen zu verlieren. auf mein gefühl und meinen gesunden menschenverstand hörend, habe ich den aufenthalt früher als geplant abgebrochen.. . und genau hier ist der punkt an dem man einen klaren schlussstrisch ziehen sollte.. und sich folgende fragen stellen sollte; ist die art wie zen durch gelehrt hat die richtige für mich? fühle ich mich wohl und angenommen? geht der meister auf meine probleme ein oder versucht er mir etwas aufzudrücken? begebe ich mich in abhängigkeit oder habe ich hier das gefühl wirkliche befreiung zu erlangen? usw.. usf..

gerade am anfang sollte man sich (meiner meinung nach) seinen gesunden menschenverstand und sein ego noch erhalten und seinen meister, die gruppe, die linie und die lehre immer wieder prüfen.. denn in dem zustand in dem man sein "ich" wirklich los lässt.. nimmt man alles, was einem der meister sagt, auf ohne einen natürlichen schutzfilter, ohne moralische wertung.. gerade in einem subkulturellen hintergrund wie punk.. sollte man herrschaftsstrukturen immer wieder hinterfragen und aufdecken.. nur weil dinge jahrunderte lang in japan funktioniert haben und es menschen dort leicht viel sich einer sache unter zu ordnen, heißt das nicht das es hier im westen auch so funktioniert..

und gerade die großen zenmeister wie: ikkyu, ryokan, tosoi, dogen.. haben sich von ihren alten strukturen getrennt und sind den weg der befreiung allein gegangen..
vorallem sollte man nicht den fehler machen und einem meister vertrauen "nur" weil er das dharma übertragen bekommen hat und behauptet das seine lehre authentisch wäre..

diese seite kann ich da zum thema nur empfehlen:
http://www.zen.fuer-uns.de

mein fazit also:

sitz lieber allein.. nimm das ganze locker (am besten mit viel humor) aber lass dich nicht gehen.. und such dir entspannt den richtigen meister und die richtige gruppe.. man kann mit dem meister auch (dank email, telefon, etc.) über lange strecken kontakt halten und nur ein paar mal im jahr zu ihm kommen.. ein guter meister würde das anerkennen und nichts fordern, was für dich nicht möglich ist..
Zuletzt geändert von SxEric am Samstag 26. Dezember 2009, 23:26, insgesamt 1-mal geändert.

Re: Das Problem mit der Gemeinschaft

Samstag 26. Dezember 2009, 17:08

hier mal noch was interessantes zum zen:
http://hpd.de/node/7985?page=0,1

Re: Das Problem mit der Gemeinschaft

Donnerstag 31. Dezember 2009, 17:39

Hi Eric,
danke fuer deine liebe und informative Antwort. Die "Zen fuer uns"-Seite kannte ich schon; ich finde sie sehr informativ. Betreiber Michael Filzinger hat mir auch Antworten per Email gegeben, die mir weitergeholfen haben.

Kennst du http://www.haus-lueginsland.de? Die betreibt ein Mann namens Christoph Jantzen, der, so wie ich, einen absolut kulturfreien Zen betreibt (keine laenderspezifischen Riten, keine Ausschmueckungen, etc). Seine Texte (http://www.haus-lueginsland.de/de/zen_texte.html) gehoeren zum Klarsten, was ich bis jetzt ueber Zen gelesen habe.

Einen guten Rutsch!
:)
Norbert

Re: Das Problem mit der Gemeinschaft

Donnerstag 31. Dezember 2009, 18:00

cool.. die seite kannte ich noch nicht.. sieht sehr gut aus.. ich halte auch nichts von riten die nur aus tradition erhalten bleiben.. noch weniger halte ich davon das feudale japan nachzuspielen.. ich mag japan sehr.. auch mit allen legenden.. etc.. aber beim zazen geht es mir um die reine praxis.. nicht um den ganzen quatsch der oft (leider) noch mit dran hängt..
ich halte zum beispiel das niederwerfen vor dem meister und so nen quatsch für völlig unwürdiges verhalten von westlichen menschen im 21. jhd.

Re: Das Problem mit der Gemeinschaft

Donnerstag 31. Dezember 2009, 18:09

SxEric hat geschrieben:ich halte zum beispiel das niederwerfen vor dem meister und so nen quatsch für völlig unwürdiges verhalten von westlichen menschen im 21. jhd.


Absolut meine Meinung :)
Davon abgesehen steht weder in den 4 Edlen Weisheiten noch bei den alten Zen-Haudegen was Derartiges drin (oder ich hab's verdraengt :mrgreen: )

Re: Das Problem mit der Gemeinschaft

Montag 4. Januar 2010, 13:53

und selbst wenn es irgendwie stehen sollte.. alles ist dem wandel unterworfen ;)

Re: Das Problem mit der Gemeinschaft

Dienstag 5. Januar 2010, 11:50

Stimmt :)
Auch alles, was mit Dharma-Übertragung und ähnlichem zu tun hat, ist einfach nicht die "reine Lehre". Wie sagt der gute Bodhidharma? "Leere Weite, nichts von Heilig"...

Re: Das Problem mit der Gemeinschaft

Dienstag 9. Februar 2010, 22:03

ihr sprecht mir da gerade aus der seele!
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